Hinrich Schüler
Geb.: 1964 in Wittmund/Nordsee
Künstlerischer Werdegang
als Bildender Künstler freischaffend in Düsseldorf (Villa Wandershof/Grafenberg)
1997-05
als Bildender Künstler freischaffend in Schwäbisch Gmünd
1991-97
als Bildender Künstler freischaffend in Hamburg
1987-91
Studium Bildende Kunst / Visuelle Kommunikation, Universität Oldenburg
Stipendien und Kunstpreise
2004
Artist-In-Residence-Stipendium in Bethlehem / Pennsylvania, USA (*K/D)
Stipendium ORTE FÜR WORTE, Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.
2003
EnBW-ODR Kunstpreis (*K/D)
Stipendium 12. Internationales Künstlersymposion Szekesfehervar (Budapest) (*K/D)
Stipendium 10. Internationales Künstlersymposion Szekesfehervar (Budapest) (*K/D)
Einzelausstellungen (Auswahl)
2006
"Dreamscapes", Monsoon Art Gallery, Bethlehem, PA, USA
2006
"Espacio de color - paisajes", EMPIRE ART, Palma de Mallorca
2006
"Farbraumlandschaften", GALERIE EMPIRE ART, Mainz
"here and across the sea - H. Schueler/paintings, Milan Kralik/sculptures", Freyberger Gallery, Penn State Berks, Reading, PA, USA
2005
"Licht/ Farbe/ Raum" MARGREFF DRUCK + MEDIEN, Essen
2005
"Farbraum-Landschaften" EMPIRE ART GALERIE Mainz
2005
"Landschaften", Prediger Schwäbisch Gmünd
2004
"color spaced paintings", Banana Factory, Bethlehem, USA (*K/D)
2004
"Vom FARBRAUM zum RINGBILD" EMPIRE ART Mainz
2004
"Kleine Landschaften", Robygge Huset, Järna, Schweden
2003
"Farbraumbilder / Sinfonische Malerei", Luxor Convention Center, Fürth
2003
"Farbraumbilder" EMPIRE ART GALERIE Mainz
2002
"Denken in Farben", Kunstverein Schwäbisch Gmünd
2001
Altarbild für die Autobahnkirche Geiselwind (A3 Würzburg-Nürnberg)
2000
"Sinfonische Malerei - Farbraumbilder" Kreishaus Aalen
1996
"Farbräume", Galerie ARTICA, Cuxhaven
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
2006
"Ballkünstler / Künstlerball", Kunstverein Gelsenkirchen
2005
"artists of the gallery" Monsoon Art Gallery, Bethlehem, PA, USA
"Farbe, Landschaft, Zeichen" Freudenberger/Goller/Schüler, Galerie Artoz, Fürth
2000
KTISIS Gallery, Liverpool
"St. Katharina - Dialog von Kunst u. Kirche" Kunstverein Schwäbisch Gmünd (*K/D)
1997
"Kraftraum/Schöpfraum" Rauminstallation, Museum d. Arbeit Hamburg (*K/D)
"Stromwächter/Mündungswächter - in memoriam Joseph Beuys"Kunstverein Cuxhaven (Performance, TV-Aufzeichnung NDR)(*K/D) Katalog / Dokumentation
Hinrich J.W. Schüler: Die "Farbraumbilder"
Bei den seit 1994 entstehenden "Farbraumbildern" wird allein durch die Farbkomposition auf der zweidimensionalen Leinwand Raum erzeugt. Diese Räumlichkeit kommt dabei ohne Zentralperspektive oder andere Ordnungssysteme aus, - sie beruht allein auf der Entfaltung der Kräfte reiner Farben. Diese werden in altmeisterlichen Lasur-(Schicht)-Techniken in vielen Arbeitsgängen nass in nass aufgetragen. Einige der Werke tragen über 60 Farbschichten, die fein abgestuft übereinander liegen. Mit diesen halbdurchlässigen (diaphanen) Schichten wird eigenartiger Eindruck von Tiefenraum und Licht erzeugt, was mit zäh-pastosen Farbmaterialien nicht erreichbar ist.
Das im Betrachter dieser Bilder hervorgerufene Raumgefühl gleicht durch das Fehlen gewohnter Sehperspektiven eher einem akustischen Raum, wie er beim Hören von Musik in Erscheinung treten kann. So liegt der Begriff einer "Sinfonischen Malerei" nahe. Das Wesen meiner Malerei ist die Farbe; - das rhythmisch-harmonische Zusammenschwingen der Farbtöne und -fomen ist ein musikalisches Phänomen.
Die gestalterische Freiheit der ungegenständlichen "Farbraumbilder" ist dabei keineswegs willkürlich, da meine Farbgebung einer Kompositionslogik folgt: der Farbenlehre Goethes. Die Basis der Bildgestaltung sind die Polarität von Licht und Dunkelheit, Übergang und Abgrenzung, Farbverdichtung und -auflösung. Das abgeschlossene Bild ist eine komplexe Einheit aus dynamischen Gleichgewichten gegensätzlicher Qualitäten.
Düsseldorf, Dezember 2005
Hinrich Schüler: "Abstrakte Landschaften"
Parallel zur Entwicklung meiner "Farbraumbilder" (seit 1994) entstanden vielfältige Skizzen zu Landschaften, die ich bereiste. In einer 2004 begonnenen neuen Serie von Bildern, die "Abstrakten Landschaften", finden Landschaftseindrücke und die freien abstrakten Kompositionen meiner Farbraumbilder zueinander. So zeichnen sich auch die neuen Werke aus durch vielfältige, intensive, brillante Farbigkeit, Klarheit und Ausdruckskraft. Wie die früheren Bilder, leben die neuen Arbeiten von einem dynamischen Gleichgewicht der Kontraste: Auflösung und Verdichtung von Strukturen, Licht und Dunkelheit, Bewegung und Ruhe. Gearbeitet wird in aufwendiger Acryl-Lasurtechnik - die Bilder entstehen oft aus über 60 fein nuancierten Farbschichten.
In den "Abstrakten Landschaften" liegt das Allgemeine, die Struktur, die Räumlichkeit der Landschaft im Focus, weniger das Detail, die Staffage, das Idyllische. Die Struktur von Landschaft ergibt sich aus ihrer Ge-Schichte, aus Überlagerungen, Umformungen, Brüchen. Darin liegt eine große Ähnlichkeit zum kreativen Prozess in der Malerei.
Die Idee von Landschaft ist mir wichtiger als das getreue Abbilden. Und so findet sich zum Beispiel der Himmelsraum plötzlich - die sich auflösende Horizontlinie umspielend - im Vordergrund wieder, reizen ungewohnte Farbgebungen und andere Irritationen die Wahrnehmung des Betrachters. Gebrochene Perspektiven lassen ihn oft vor dem Bildraum schweben. Das Bezeichnete, aus Farbnebeln hervortretende, bleibt offen und vieldeutig, hält die Waage zwischen impulsiven, wild-romantischen Anklängen und kalkuliert-durchdachter Malerei. Die "Abstrakten Landschaften" beziehen sich auf Bekanntes, verweigern sich aber üblicher Lesbarkeit und verharren in einer rätselhaften, spannungsvollen Schwebe.
Meine Malerei ist damit gleichzeitig eine Beschäftigung mit Wahrnehmung von Raum und Realität, wobei die Dinge aber nicht einfach dargestellt werden, wie sie erscheinen, sondern ich interpretiere und verwandele sie. Stimmungen werden verdichtet und intensiviert, Atmosphären geschaffen durch eine Idealisierung des Gesamteindrucks.
Diese Bilder loten dabei Verbindungen und Übergänge zwischen Naturanschauung und Abstraktion aus, bewegen sich in diesem Grenzbereich und ziehen daraus ihre Energie.
unter dem HimmelLandstriche flussgeadertFarbe streift übers FeldSchichten werden Geschichtean den Rändern das Meerungerahmt
Hinrich Schüler, Düsseldorf November 2006
Hinrich J.W. Schüler: "Die Ringbilder"
Die Ringbilder entstehen neben den "Farbraumbildern" seit dem Sommer 2002. Ein Entwicklungsweg hierhin liegt in zahlreichen Skizzen, Studien und Gemälden, die seit dem Frühjahr 1991 entstanden sind, und die sich mit dem Phänomen des Kreises und der Kugel in der Malerei befassen. Kreisförmige Malgründe wurden Anfang der 90'er gelegentlich verwendet. Genaugenommen handelt es sich bei den Ringbildern also um einen Zusammenfluss dieser Kreis/Kugelstudien und -bilder mit meinen "klassischen" Farbraumbildern.
Die letzte Serie vor den Ringbildern war jene mit den großformatigen (230 x 200 cm) Farbraumbildern, in denen jeweils eine oder zwei Farbformen frei im Farb-Umraum zu schweben schien (komplett ausgestellt im Kunstverein Schwäbisch Gmünd Jan./Feb. 2002). Mir war im Anschluss an diese Ausstellung daran gelegen, eine Grundform zu finden, die sich hinlänglich genug variieren ließe, um von den formal beliebigen Farbformen wegzukommen, hinzugelangen zu strengeren Gestaltungen. Dabei sollte es möglich sein, alle Elemente, die bereits in meiner Farbraum-Malerei bisher erreicht worden sind, zu integrieren und weiterzuentwickeln. Gesucht wurde eine Vereinfachung der Form, die aber nicht bis zu einer Rothko'schen Gestaltung gehen sollte, obwohl ich damit experimentierte. Rothkos erstes Anliegen war die architektonische Gestaltung des Bildraumes in der Fläche unter Vernachlässigung der Farbe (obwohl er gelegentlich fälschlicherweise als Farbenmeister bezeichnet wird), mein Anliegen ist aber gerade die Kraft des Farbenwirkens in den Vordergrund zu stellen, so wie es seit 1994 der Fall ist. Der Ring als Kompositionsträger bietet mir dafür eine große Menge an Möglichkeiten. Die Komplexität der Farbraumbilder wird zunächst vereinfacht, aber es entsteht daraus eine neue Vielfalt.
Experimentierte ich im Beginn der 90'er Jahre mit Kugeln und Kreisen, so verwarf ich letztendlich beides, da jeweils nur zwei Ebenen zu erhalten waren: Kreis- bzw. Kugelfläche und ihr jeweiliger Umraum. Der Ring dagegen hat drei Beziehungsfelder: den Umraum des Ringes, den Ring selbst und seinen Innenraum. Vielfältige Beziehungen zwischen diesen drei Elementen waren nun gegeben und wurden seither malerisch erkundet. Mit den Ring-Kompositionen lässt sich unter anderem sehr anschaulich das Phänomen polarer Spannungen zwischen Qualitäten innerhalb einer größeren Einheit zum Ausdruck bringen.
Hinrich Schüler in Schwäbisch Gmünd, September 2002