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Galerie neos art - Kunstausstattung von Hotel & Gastronomie, Seniorenwohnheimen, Kliniken und Unternehmen
27.03.2011
Ein Leonardo kommt selten allein
Ein Leonardo kommt selten allein

Nachdem erst vor wenigen Monaten das Leonardo Boutique Savoy Hotel in München-Schwabing eröffnet wurde, legte die Fattal Group jetzt nach: Am 3. Januar ging ein weiteres Haus der Gesellschaft an den Start: das Leonardo Royal Munich. Und dieses soll nicht nur im Veranstaltungsgeschäft in der oberen Liga Münchens mitspielen

»Barbies haben bei uns nichts verloren. Was wir brauchen, sind herzliche Menschen.« Jan Heringa, GM des Leonardo Royal Munich, ist überzeugt, dass die eigene Persönlichkeit die Schlüsselqualifikation im Gastgewerbe darstellt. Diese Haltung kam auch beim »Speed Recruiting Day« am 25. September 2010 zum Tragen – eine Veranstaltung in Kooperation mit der »Bild« und der Düsseldorfer Yourcareergroup AG, bei der sich Heringa auf die Suche nach 130 Mitarbeitern für sein Hotel begab. Schon da betonte er, worauf es ihm bei der Personalauswahl ankommt: »Nur wer mit sich selbst zufrieden ist, Spaß am Job hat und dies auch ausstrahlt, wird den Gast zufriedenstellen können.«
Heringa spricht dabei aus Erfahrung. Fünf Hotels hat er bereits eröffnet, darunter das Novotel München Airport und das Novotel München Messe. Trotz der Routine bleibe das Leonardo Royal für ihn ein besonderes Projekt. Allein die Investitionssumme von 72 Millionen Euro zeigt, welchen Anspruch das Haus verfolgt.

»Wir wollen den Gästen ein völlig neuartiges Konzept bieten, in dessen Mittelpunkt der Wohlfühlcharakter steht. Das Leonardo Royal soll als eine Art Resorthotel in der Stadt wahrgenommen werden.« In der Tat suggeriert das fünfstöckige Gebäude mit 424 Zimmern und zwölf Suiten am Mittleren Ring und in unmittelbarer Nähe zum Olympiastadion, dass man sich in einer grünen Oase befindet. Dieser Eindruck entsteht zum einen durch die weitläufige Parkanlage rund um das U-förmige Gebäude, den großzügigen Lichthof mit Terrasse und den Wasserlauf, der sich – mit Springbrunnen und Lichtinstallationen versehen – um das Restaurant zieht. Zum anderen durch die 41 Bäume, die auf dem Hotelgelände im Rahmen der Initiative »Plant for the Planet« angepflanzt wurden.

Befragt nach dem USP des Hauses muss Heringa nicht lange überlegen: »Das Leonardo Royal bietet eine immense Veranstaltungsfläche von insgesamt 1800 Quadratmetern bei gleichzeitig hoher Zimmerkapazität. Das ist insofern ein Alleinstellungsmerkmal, da in anderen Häusern diesbezüglich nicht selten ein Missverhältnis besteht und die Zimmeranzahl nicht mit der Tagungskapazität korrespondiert oder umgekehrt.« Tatsächlich ist das Leonardo Royal mit acht Tagungsräumen und befahrbarem Ballsaal für bis zu 800 Personen gut aufgestellt. Wenngleich eingeräumt werden muss, dass sich das First-Class-Domizil einer starken Konkurrenz ausgesetzt sieht: Das Westin Grand beispielsweise verfügt ebenfalls über eine große Veranstaltungsfläche und teilt sich zudem mit dem Schwesterhotel Sheraton Arabellapark ein großes Konferenzzentrum mit 33 weiteren Tagungsräumen. Einen klaren Wettbewerbsvorteil für das neue Leonardo sieht Heringa dennoch: »Die letzte Eröffnung eines großen Tagungshotels in München liegt einige Jahre zurück.«

State oft the Art ist die technische Ausstattung der lichtdurchfluteten Tagungsräume im Erdgeschoss und jene des Ballsaals im Untergeschoss, in den man über eine massive Granittreppe gelangt. Leinwand und Beamer sind hier bereits in die viereinhalb Meter hohen Decken integriert, Trennwände gewährleisten flexible Raumgrößen; in den Meetingrooms stehen Kaffeemaschinen und Kühlschränke bereit. Der 732 Quadratmeter große Ballsaal punktet in Sachen Funktionalität außerdem mit einer angeschlossenen Küche und Patisserie sowie direktem Zugang zur Tiefgarage. Raffiniert gelöst wurde das Problem der Tageslichtversorgung: Dieses dringt hier über in die Decke eingelassene Fenster nach unten.

»Wir sind bestrebt, für Überraschungseffekte in einem Vier-Sterne-Superior-Hotel zu sorgen, das sich durch seine Offenheit charakterisiert«, fährt Heringa fort. »Come in and find out« – dieser Douglas-Slogan würde dem Leonardo Royal Munich gut zu Gesicht stehen. »Man soll von überall her in das Hotel hinein kommen können und auf den verschiedensten Wegen wieder ins Freie finden«, erläutert er den Ansatz mit einem Augenzwinkern. »Außerdem ist es uns ein besonderes Anliegen, beim Betreten des Gebäudes ein Gefühl von Behaglichkeit zu vermitteln. Wir wollen weg von der klassischen Hotellobby, deren Bild maßgeblich vom Rezeptionstresen geprägt ist. Stattdessen sollen sich die Gäste fühlen wie in einem Club, einer Bar oder einer Lounge. Herzstück ist deshalb unsere Lounge ›Leo90‹.«
»The Art to Feel at Home«, so lautet die Maxime des Interior Designers Andreas Neudahm. Von der Straße direkt ins Wohnzimmer. Unkonventionell und schnell.

Das Lounge-Konzept hat Charme, wenn auch die dahinterstehende Idee nicht ganz neu ist. Seit Jahren schon geht die Entwicklung in der Luxushotellerie hin zum offenen Eingangsbereich, hin zur Lobby, die gleichzeitig Aufenthalts- und Veranstaltungsraum ist. Fließende Übergänge zwischen Restaurant, Bar und Lounge erfreuen sich großer Beliebtheit. Die umfangreiche Auswahl an Sitz- und Sofanischen hat sich als elementarer Behaglichkeitsfaktor herausgestellt und bewährt. Insofern folgt die »Leo90«-Lounge des Leonardo Royal einem Trend, den man in zahlreichen anderen Hotels beobachten kann. Ähnliches gilt für die »Senses«-Philosophie der Leonardo Hotels, deren zentraler Kerngedanke es ist, eine harmonische Einheit aus Formen, Farben und Materialien zu schaffen und darüber hinaus ein aufeinander abgestimmtes Licht- und Musikkonzept unterstützend zum Einsatz zu bringen. In der »Leo90«-Lounge läuft deshalb im Hintergrund zur jeweiligen Tageszeit passende Musik, die von wechselnden Lichtinszenierungen begleitet wird. In Zusammenarbeit mit der Firma Moodmedia arbeitet man zudem noch daran, die sensorischen Eindrücke um einen hauseigenen Duft zu erweitern und so einen Dreiklang der Sinne herzustellen.

Der Bezug zum Standort des Hotels spiegelt sich in zahlreichen Bildern wider: Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Olympia durch das gesamte Haus; weitere wechselnde Motive aus Bayern und München zaubern regionales Flair. Generell soll der Kunst ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, wie Heringa verrät, beispielsweise durch Modenschauen und Skulpturenwettbewerbe im großen Innenhof. Auch was regelmäßige Events anbelangt, mangelt es dem General Manager nicht an Ideen: »Jeden ersten Mittwoch im Monat wird ein DJ in der ›Leo90‹-Lounge auflegen. Des Weiteren könnte diese auch als Drehort für Talkshows fungieren. In der ›Davidoff Zigarren Lounge‹ wollen wir darüber hinaus Club-Abende und Whisk(e)y-Tastings in unser Programm aufnehmen.«

Widmet man sich dem Konzept des Restaurants »Vitruv«, erkennt man ebenfalls den offenen Charakter des Hauses: Im rechten Flügel des U-förmigen Gebäudes untergebracht, zählt es insgesamt 350 Sitzplätze. Große Glasfronten gewähren den Blick auf den Innenhof; die Restaurantterrasse wird von einem Wasserlauf umspielt. Drinnen sorgen zwei Frontcooking-Stationen für eine ungezwungene Atmosphäre. Hier kann man sich getreu dem Motto »Your Taste is Your Choice« beim A-la-carte-Dinner einzelne Speisenkomponenten mit verschiedenen Zubereitungsarten zu einem Menü zusammenstellen lassen oder aus der Karte wählen, die vorwiegend mediterrane, asiatische und bayerische Spezialitäten listet. Für den kulinarischen Genuss verantwortlich ist das Küchenteam um Chefkoch Miguel Wagner.

Das Interior Design des »Vitruv« stammt ebenfalls von Andreas Neudahm und setzt sich aus warmen Erdtönen und natürlichen Farben wie Bordeaux und Apfelgrün zusammen. Außerdem kommen weiche Materialien wie Filz und Samt zum Einsatz, die wohl dem Markennamen »Royal« geschuldet sind und die königliche Komponente unterstreichen sollen. Auf den Tischen greifen Wassergläser und Kerzenständer in Lipstick-Red die Leonardo-Grundfarbe auf.

Die Zimmereinrichtung folgt diesem Beispiel. In allen Kategorien – von Comfort über Deluxe bis hin zu Superior – erwartet den Gast ein harmonisches Zusammenspiel aus Taupe-, Rot-, Grün- und Beigetönen. Spezielle »Woman Friendly Rooms« sind in Fliederfarben gehalten und buhlen mit besonderen Guest Supplies um die Zufriedenheit der weiblichen Gäste, beispielsweise mit einer Schlafbrille und mit Wollsocken. Blickfang in allen Zimmern ist das Betthaupt, auf dem Leonardo da Vincis berühmtestes Werk, der vitruvianische Mensch, abgebildet ist. Weitere Akzente setzt Neudahm zudem mit farbigen Samtsesseln und ellipsenförmigen Schreibtischen. Allzu puristische Designelemente hat er hingegen – bei
aller Geradlinigkeit – sparsam verwendet, sodass keine kühle Stimmung entsteht. Darüber hinaus galt es bei der Raumkonzeption, sowohl die Bedürfnisse von Business- als auch von Leisurereisenden zu berücksichtigen. Schließlich soll das Leonardo Royal Messegäste und Tagungsteilnehmer ebenso beherbergen wie Wochenendausflügler und Urlauber. Für Long-Stay-Aufenthalte bieten sich die Superior-Zimmer mit Kitchenette, mobilen Herdplatten und Mikrowelle an. Ein weiterer Vorteil dieser Kategorie: Die Nutzung der Executive Lounge »Da Vinci« in der fünften Etage sowie die dortige Frühstücksmöglichkeit und Fingerfoodauswahl sind im Zimmerpreis enthalten. Schmuckstück des neuen Refugiums ist allerdings die »Royal Suite«, die auf 77 Quadratmetern über ein separates Ess- und Wohnzimmer, ein Bad mit Dusche und Wanne, zwei separate Toiletten und einen begehbaren Kleiderschrank verfügt. WLAN kann in allen Zimmern gegen einen Pauschalpreis von 5,90 Euro pro Tag genutzt werden. Der Eintritt in den Wellnessbereich mit Sauna und Dampfbad ist im Zimmerpreis inklusive.

Im ersten Jahr rechnet Jan Heringa mit einer Belegungsrate von 60 Prozent. Bereits für das dritte Jahr legt er die Latte höher und strebt eine Auslastung knapp oberhalb der 70 Prozent an. In puncto Raten startet er mit 49 Euro für das Doppel- und Einzelzimmer in der Soft-Opening-Phase, womit diese noch unter denen des Budgetklassikers Motel One mit üblicherweise 59 Euro liegen. Im Leonardo Royal jedoch werden die Preise voraussichtlich sukzessive erhöht auf 59 Euro für das Einzel- und 69 Euro für das Doppelzimmer. Bis September 2011 sollen die Startraten dann noch einmal um jeweils zehn Euro zulegen und sich nach Angaben Heringas auf 79 Euro für das Einzelzimmer bzw. 89 Euro für das Doppelzimmer steigern.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zunächst einmal muss sich das Leonardo Royal Munich in der entscheidenden Einführungsphase der kritischen Meinung seiner Gäste stellen. Flammende Euphorie soll es beim Publikum auslösen; die Nachricht von der Eröffnung des Leonardo Royal soll sich im Idealfall wie ein Lauffeuer verbreiten. Darauf hofft Jan Heringa gemeinsam mit seinem Team aus aktuell 83 Mitarbeitern. Als »das Hotel der Münchner« im Markt muss sich das Leonardo Royal noch etablieren. Ein Hot Spot ist es schon heute.
MELANIE LECHNER


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